Theater ums Theater (am Ostwall)

Parallel zum "2.Festival der freien Dortmunder Theatergruppen" und zum im Gegensatz dazu städtisch bezuschußten "6.Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW und BRD" läuft in den städtischen Bühnen ein Stück mit dem Titel "TheO am Ende oder doch nicht oder wie oder was?". Das Stück paßt ganz hervorragend in den übrigen Zusammenhang. Akteure: Diverse Verantwortliche und Veran, twortungslose in Politik und Verwaltung. Wegen ständigen Auf- und Abtretens sind einzelne Namen und Gesichter nur schwer auszumachen. Spiel ort: Hinter den Kulissen.

1.Akt: Ratssitzung, spät abends.
Die Stadt hat kein Geld genug mehr für Kultur. Sagt sie. Nach dem Motto: "Oper wichtiger als JugendtheaterKleckerkram" beschließt der Rat, das Theater am Ostwall dichtzumachen. Am 2.Juli alle Schauspieler raus, alle Türen zu, alle Räume leer!

2.Akt: Öffentlichkeit, tagsüber.
Ein Sturm der Entrüstung setzt ein. Die Leute vom Dortmunder Kinder- und Jugendtheater erfahren breite Solidarität. Mit dem 400 Plätze großen TheO würde ihnen ihre Spielstätte und damit ihre Existenz unterm Hintern weggespart. Sie selber protestieren in ihrem Programmheft: "Das Kinder- und Jugendtheater hat so viele Besucher wie seit Jahren nicht mehr, Kinder, Jugendliche und Erwachsene strömen nur so in die Veranstaltungen, ob im Theater am Ostwall oder VOR ORT. Dutzendweise sind Veranstaltungen schon Wochen vor dem Aufführungstermin ausverkauft! Die Besucherzahlen steigen rapide, die Einnahmen wachsen. TheO ist beliebt und gefragt. Trotzdem werden wir weggespart! - Seltsame Logik." Knapp 60.000 Zuschauer haben die Aufführungen der abgelaufenen Spielzeit gesehen. Das Dortmunder Kinderund Jugendtheater ist damit nicht nur das zweitälteste Kindertheater der BRD — beim 6.Kinder- und Jugendtheatertreffen vor ein paar Tagen feierte es seinen 30.Geburtstag - sondern auch eines der drei größten. Auch Guido Huonda und Horst Fechner, die als Schauspielleiter und Generalintendant ab der übernächsten Spielzeit bei den städtischen Bühnen die Fäden in der Hand haben (allerdings nicht über den Etat bestimmen, das macht nach wie vor der Rat), erkannten schnell die Bedeutung des Kinder- und Jugendtheaters und stellten sich presseöffentlich hinter das TheO.

3. Akt: Verwaltung, neulich.
Das Theater am Ostwall geht ab 2. Juli in die Zuständigkeit des Schuldezernats über. Der Entrüstungssturm scheint - vorerst - gefruchtet zu haben. Dezernent Sondermann gibt laut Presseberichten, und nach Auskunft von TheO-Leuten gegenüber dem KK, seine Zusage, daß die Räume immerhin fünf Tage in der Woche weiterhin für's Kinder- und Jugendtheater zur Verfügung stehen. Und zwar als Probebühne, und, jetzt kommts: "als gelgentliche Spielstätte". Was, bitteschön, ist gelegentlich? Die Zuschauer des Dramas rätseln, Herr Sondermann aber sagt es nicht. Die TheO-Leute jedenfalls gehen in die Offensive. Für sie ist "gelegentlich" "ganz normal", und für den neuen Spielplan des Kinder- und Jugendtheaters ab 16.August stehen wieder regelmäßig "Momo" und erstnalig mit breiter Werbekampagne das selbstgebastelte Stück "Mama, Papa, Zombie" auf dem Programm. Neben anderen guten Stücken, versteht sich. Aufführungsort: Theater am Ostwall.

4.(und letzter?) Akt: Theater am Ostwall, demnächst.
Freie Improvisation: Wie reagiert Herr Sondermann? Macht er das TheO ganz dicht? Das wäre dann das völlige und endgültige Aus für das Kinder- und Jugendtheater. Daß drei Opern und zwei Operetten stattdessen aus dem Programm von Studio und kleinem Haus gestrichen würden, ist wohl kaum anzunehmen. Oder 1äßt es der Herr Dezernent geschehen? Sind ja auch bald Kommunalwahlen. Und das Publikum? Bleibt's in seiner Rolle, ruhig zuschauend und je nach Belieben Applaus und Buh-Rufe verteilend, in seinen Polstern sitzen? Man darf gespannt sein.

Petrus

Ausgabe #85
Juli 1984
38 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 16
Wortanzahl: 681

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