Stadt plant Atombunker unter Westpark

In den letzten Jahren hat die Stadt Dortmund kräftig an dem Ruf gearbeitet, eine Natur- und menschenfeindliche Stadt zu sein. Da wird der für 15 DM pro Quadratmeter erstandene Grund und Boden einer ehemaligen Kokerei bedenkenlos für 90 DM pro Quadratmeter an Bauwillige verscherbelt, obwohl von Beginn an Bedenken wegen möglicher Bodenvergiftungen und Gesundheitsgefährdungen auftauchen. Die Hochbahn, ein Stück weiter Richtung Süden auf dem Gelände der Universität gelegen, als verkehrstechnisches Pilotprojekt hochgelobt, hat einen der noch vorhandenen und nicht durch Hochspannungsmaste oder Schornsteine verbauten Ausblickpunkte im Dortmunder Stadtgebiet verschandelt. Ein öffentlicher Fahradverleih wäre billiger und gesünder gewesen. Das Kabelfernsehen ist ein weiteres Pilotprojekt dieser Stadt. Dort wird der Versuch gemacht, die Bevölkerung, zur Zeit noch gegen deren Willen, aber schon mit deren Steuergeldern, allmählich an die neuen Kommunikationstechniken zu gewöhnen.
Der letzte große Schlag gegen die Interessen der hier Lebenden ist wohl die neue S-Bahn mit ihren gigantischen Betonbahnhöfen gewesen. "Eine Stadt fährt in die Zukunft", so der Dortmunder S-Bahn Slogan. In den Abendstunden und tagsüber außerhalb der Stoßzeiten wird die Stadt dabei meist etwa 3 oder 4 Fahrgäste repräsentiert, die sich auf den Bahnhöfen und in den Zügen verlieren. Um das Verkehrsaufkommen zu steigern, wird es wohl nötig sein, weitere der bisher bequem zu erreichenden Straßenbahnlinien zu schließen.

Schon aber zeichnet sich dasnächste Pilotprojekt der Stadt Dortmund ab. Wie der Klüngelkerl aus informierten Kreisen erfuhr, ist in Dortmund der Bau des ersten Atomgroßbunkers geplant. Eingebunkert werden sollen ca. 2.000 Menschen, Baubeginn Oktober, Bauplatz: der Westpark.
Der Westpark, am westlichen Innenstadtrand gelegen, ist Teil des ehemaligen Bunkersystems, daß sich über den Westring bis zum Hauptbahnhof zieht. Unterhalb des Westparks ist eine alte Tiefstollenanlage, ein U-Bahn-Röhrensystem, noch von den Nazis gebaut, schon mit Blick auf einen kommenden Krieg. Platz für ca. 20.000 Menschen war dort ursprünglich. Nach dem Krieg verkam die alte Anlage allmählich. Die inzwischen nicht mehr „erscheinende Dortmunder Friedenszeitung "Entrüstung" veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom Juli 1983 eine Anfrage an den Rat der Stadt Dortmund. Am „ehemaligen Tiefstolleneingang Möllerstraße/Langestraße wurden Bauarbeiten durchgeführt. Sollten hier Bunkerbauarbeiten beginnen? Die Anfrage wurde von Seiten der Stadt nicht beantwortet. Ist geplant, nun im Oktober mit dem Bau eines Atombunkers im Westpark zu beginnen? Stimmt die Vermutung, daß im Rahmen des Bundesgesetzes zum Bunkerbau, die Stadt Dortmund hier die Möglichkeit sieht, mit Bundesmitteln und Bunkerbauten die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Wenn all das zutrifft, warum wird dann die Bevölkerung nicht rechtzeitig informiert? Im Rahmen der neuesten Kriegsführungsstrategien, d.h. des offen geplanten begrenzten taktischen Atomkrieges in Europa, vornehmlich auf deutschem Boden (und zwar dem beider deutschen Staaten), haben Bunker keine Schutzfunktion - es gibt keinen Schutz mehr im Atomkrieg. Sie sind vielmehr Bestandteil der psychologischen Kriegsführung gegen die eigene Bevölkerung, indem sie - darin der gesamten Arbeit des Selbst- und Zivilschutzes vergleichbar - mögliche Sicherheit vortäuschen. Das Dortmunder SPD-Ratsmitglied Horst Zeitler bezeichnete gegenüber dem Klüngelkerl die Vorstellung eines Azumbunkerbaues im Westpark als "Hirngespinst", als eine Maßnahme, die nichts bewirkt". Horst Zeidler wollte aber nicht ausschließen, "daß da in der Verwaltung was gelaufen ist".

Friedrich B.

Ausgabe #85
Juli 1984
38 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 3
Wortanzahl: 613

Hashtags
#Friedensbewegung

Ähnliche Artikel

-Hagen: Friedensbewegung kaputt
#Friedensbewegung #Autonome

-Friedensdemo im Hunsrück 1986
#Friedensbewegung

-Kein Panzerübungsgelände
#Friedensbewegung