Kleine Gewerkschaftskunde

Am 6. Juni fanden in Dortmund Wahlen fürden Personalrat an Grund- und Hauptschulen statt. Auf örtlicher Ebene kandidierte dabei erstmals neben den etablierten Gewerkschaften GEW und VBE eine aus Gewerkschaftern und Nicht-Gewerkschaftern zusammengesetzte "Unabhängige Liste", Mitglieder der "Unabhängigen Liste" wehren sich seit Jahren dagegen, daß in den Personalräten Rektoren und Rektorinnen das Sagen haben. Hat also ein einzelner Lehrer einen Konflikt mit seinem Rektor (der ihm gegenüber die Schulbürokratie vertritt, er ist sein Dienstvorgesetzter) kann es ihm passieren, daß er bei EinSchaltung des Personalrates im Sprechzimmer des Schulamtes eben diesen Direktor wieder gegenübersitzt. GEW und VBE haben auch bei den diesjährigen
Wahlen wieder Rektoren auf den Spitzenplätzen nominiert. Obwohl die GEW versuchte, die innergewerkschaftliche Kritik an der bisherigen Personalmißpolitik durch Aufstellung einer Liste auch mit einigen linksorientierten Kandidaten zu unterbinden, konnte sie trotz aller Bemühungen (Ausschlußantrohung aus der GEW z.B.) die Aufstellung einer "Unabhängigen Liste" nicht verhindern. Dadurch bekam sie jetzt die Quittung. Sie verlor 2 von ehemals 9 Sitzen, der VBE blieb bei konstant 6 Sitzen, die "Unabhängige Liste" erzielte‘ auf Anhieb 2 Sitze (über 12%). Sowohl GEW wie VBE scheinen außerstande zu sein, aus dem Zustandekommen dieser Liste zu lernen und sich auf eine sachorientierte Zusammenarbeit einzustellen. Vor allem ist die UL natürlich eine "Spalterliste" (vgl. GEW Sommernummer vom Juni), die "objektiv der Organisation und den Zielen der Gewerkschaft schadet" (Stadtverbandszeitung der GEW, Nr.38). Ob eine Personalvertretung hauptsächlich aus Dienstvorgesetzten (man übertrage dies doch einmal auf den Betriebsrat bei Hoesch oder Opel!), deren Loyalitätskonflikt zwischen Büro—kratie und Kollegen (Für wen denn nun?) in der Vergangenheit auch schon, z.B. bei Versetzungen, zu Lasten betroffener Kolleginnen und Kollegen ging, mit den Zielen der Gewerkschaft übereinstimmt?


"Die meisten Versetzungen wurden in Dortmund in diesem Jahr 'im Einvernehmen' mit den betroffenen Kollegen durchgeführt. 'Einvernehmen' bedeutet hier für den Personalrat, daß diese Kollegen gegen (!) ihren Wunsch versetzt wurden..." (Rudolf Niedzwetzki (Rektor auf Platz A der GEW-Liste, Personalratsvorsitzender) in: GEW Mitteilungen Dortmund Nr.29, Oktober 82).

Daß niemand auf 2 Hochzeiten tanzen kann, sollte eigentlich Bildungsgut der Vertreter aller abhängig Beschäftigten (Arbeiterklasse hieß das früher als es dieselbe noch gab) sein. In diesem Sinne haben VBE und GEW gegenüber der UL auch konsequent reagiert. Der VBE hat ein Mitglied der UL bereits ausgeschlossen, die Delegiertenversammlung der GEW-Dortmund hat inzwischen mehrheitlich den Antrag auf Ausschluß der GEW-Mitglieder der UL zugestimmt.

VBE: Verband Bildung und Erziehung (Mitglied im Deutschen Beamtenbund)
GEW: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Mitglied im DGB)

Ausgabe #85
Juli 1984
38 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 8
Wortanzahl: 476

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