Entscheidung über Zeche Hansemann gefallen?

Es sieht ganz so aus, als ob die Würfel über die Zukunft der Zeche Hansemann in Mengede gefallen sind. Nur, es ist bislang noch nicht gelungen, den Becher über den Würfeln zu lüften, um nachzusehen wie sie gefallen sind. Kurz zur Vorgeschichte: Im Dortmunder Nordosten steht wie an vielen anderen Stellen im Ruhrgebiet eine Industrieruine, die Restgebäude der ehemaligen Zeche Adolf von Hansemann. In einem der Gebäude befindet sich noch eine kleine Textilfabrik und ein paar Werkstätten, ein paar Nebengebäude sind noch bewohnt; der Rest steht leer, sofern er nicht bereits plattgemacht ist. Der Rest: das sind zwei große Hallen und vor allem das alte Turmhaus, das mit seinen Türmchen und Verzierungen mehr an Fürstenherrlichkeit erinnert als daran, daß hier viele Jahrzehnte lang Kumpels Kohle gekloppt haben. Um dieses Turmhaus gehen die Auseinandersetzungen: Für den Landeskonservator ist es ein Industriedenkmal und muß erhalten bleiben, der Stadt Dortmund steht es schlicht im Weg für ihre weiteren Planungen. Mengeder Sportvereine, die Volkshochschule, Antroposophen, ein Ausbildungsprojekt, das Frauenprojekt "Zukunftswerkstatt e.V." und andere haben ihr Interesse angemeldet, die Gebäude für sich zu nutzen (siehe dazu den letzten Klüngelker1). In diesem Streit, und damit werden wir wieder aktuell, hat sich jetzt der Minister für Landes- und Stadtentwicklung als oberste Denkmalbehörde des Landes eingeschaltet. Nach einem Ortstermin vor zwei Wochen soll das Ministerium das Turmhaus zum Industriedenkmal erklärt haben. Das jedenfalls ist der Stand der Informationen, so wie wir sie im Klüngel erhalten haben. Eine offizielle Bestätigung einer solchen Entscheidung war bis Redaktionsschluß weder aus Düsseldorf

noch aus dem hiesigen Planungsamt zu bekommen. Einer der Anwohner erzählte uns, daß der Bauführer des an den Gebäuden tätigen Abbruchunternehmens sich ebenfalls in dieser Richtung geäußert habe: "Wir kommen jetzt nur noch wieder um den Schutt wegzuräumen. Der Rest bleibt stehen." Was die gefallenen Würfel anbelangt: Der Becher hat sich damit höchstens ein kleines bißchen gelüftet, mehr auch nicht. Selbst, wenn die Informationen richtig sein sollten: So paradox es klingt, aber dieselbe Behörde, die ein Gebäude zum Denkmal erklärt, kann natürlich auch jederzeit den Abriss des Denkmals verfügen. Die Stadt Dortmund müßte dazu dem Minister Zöpel gegenüber ein "überragendes öffentliches Interesse" an einem solchen Abriss geltend machen. Dazu reichen vermutlich ein paar zu bauende Wohnhäuser wohl nicht ganz aus, aber wer weiß, was für "kapitale" — im wahrsten Sinne des Wortes - Projekte in Dortmunder Amtsschubladen vor sich hin schmoren? Zweitens: Selbst wenn die Prachtbauten aus der Gründerzeit wirklich stehen bleiben sollten, was nützt es uns, wenn zum Beispiel irgendeine Versicherung, oder sonstwer mit reichlich Knete, sich die Zechengebäude unter den Nagel reißt, und wir uns die Schönheit dann von außen angucken können? Über die weitere Nutzung ist nämlich noch überhaupt nichts entschieden. Man darf allerdings wohl eher vermuten, daß die Vorstellung eines stadtteilnahen, relativ autonomen und von inhaltlichen staatlichen Vorgaben unabhängigen Kultur- und Bildungszentrums den Verantwortlichen bei der Stadt noch ziemliche Bauchschmerzen verursacht. Die ersten Reaktionen der Herren Gellinek und Dorstewitz auf entsprechende Wünsche der verschiedenen Inititiativen schon vor geraumer Zeit waren entsprechend: "Wir unterstützen euer Anliegen, aber bitteschön nicht auf der Zeche Hansemann!", Also: Weiterer politischer und öffentlicher Druck ist notwendig! Übrigens: Das im letzten Klüngel angekündigte Treffen der Initiativen und Vereine in Sachen Hansemann scheint nicht stattgefunden zu haben. Frau Scherer von der Mengeder Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt von Hansemann einsetzt, möchte jedenfalls alle Beteiligten mal an einen Tisch versammeln. Koordination und Absprache Zwecks gemeinsamen Vorgehens sei ja wohl dringend nötig, findet sie. Wir übrigens auch, und so geben wir hiermitmit gerne ihre Telefonnummer weiter: 35 33 72 (erschreckt euch nicht, es meldet sich ne Apotheke). Ruft doch mal an!

Ausgabe #85
Juli 1984
38 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 9
Wortanzahl: 734

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