Heidehofapell

Im Laufe des Sommers '82 ist der HEIDEHOF zu einem Zentrum alternativer Kulturarbeit – selbstverwaltet und selbstgestaltet - zu einem wichtigen Mittelpunkt des kritischen und politisch wachen Teils der Dortmunder Jugend, zu einem "zweiten Wischlingen" geworden. An den zahlreichen Veranstaltungen - Musik, Kabarett, Vorträge, Seminare, Gruppentreffs, Ausstellungen - haben insgesamt über l0.000 Leute teilgenommen. Anfang September waren die Kurse des KULTURZIRKUSSES mit vielfältigen Themenbereichen angelaufen. In dieser Situation hielt kaum jemand den Abrißbeschluß der IGM für realisierbar, zumal etliche Gewerkschafter und Politiker sich für den Erhalt des Heidehofes ausgesprochen hatten, eine Zwischennutzung bis zur gewerksohaftlichen Wiederverwendung oder Veräußerung des Geländes in frühestens drei Jahren geradezu geboten (und für Gewerkschafter eigentlich selbstverständlich) war und gewerkschaftliche organisierte Paten einen Miet- und Nutzungsvertrag mit allen Garantien für die IGM vorgelegt hatten.
Doch wie in Wischlingen schlug auch hier der Abrißbagger brutal zu. Wie dort scheint auch hier "die Stadt" - d.h. die verantwortlichen SPD-Po1itiker - wesentlich mitbeteíligt zu sein, wie ein am Tag vor dem Abriß eingetroffener Brief von Horst Zeidler entlarvt. Es steht auch hier der vielfach geäußerte Verdacht im Raum, daß es "der Stadt" vor allem um die Liquidierung selbstverwalteter Kulturarbeit ging und weniger um die Vertreibung von "Besetzern". Um diese von verschiedenen Seiten geäußerte Vermutung aus der welt zu schaffen - aber natürlich keinesfalls nur aus diesem Grund – fordern wir "die Stadt“ und insbesondere die Dortmunder SPD, vor allem Günter Samtlebe und Horst Zeidler, auf,sích für die Bereitstellung eines leerstehenden (größeren) städtischen Gebäudes einzusetzen, um das HEIDEHOF-PROJEKT - d.h. die dort begonnene Kulturarbeit- weiterführen zu können. Es geht auch - aber keinesfalls allein - um die Unterbringung von über 30 durch die IGM obdachlos und z.T. dadurch gleichzeitig arbeitslos gewordenen Dortmundern, die entschlossen sind, zusammen mit zahlreichen Freunden - und zu denen zählen wir uns auch - trotz, oder gerade wegen des jüngst erlebten Schocks – die begonnene Arbeit fortzusetzen.
Wir rufen die offiziellen Stellen und darüber hinaus alle Dortmunder Bürger auf, das HEIDEHOF-PROJEKT nicht scheitern zu lassen, sondern den víelzitierten "Dialog mit der Jugend“ endlich zu beginnen und nicht alle Versuche eigenständiger Kulturarbeit im Ansatz ersticken zu lassen.
Klaus & Paten

 

Kontakt: Klaus Maschmann, Níederhofer Kohlenweg 273, 4600 Dortmund 30 (für den Patenkreis), 17.Oktober '82

 

 

 

Lieber Klaus & Paten
Nur eine kurze Bemerkung: so lieb ich es von euch auch finde, daß ihr (mit vielen anderen) an die Moral der Zeidlers, Samtlebes und Konsorten appelliert - ich glaube nicht, daß ihr damit noch jemanden vom Hocker reißt. Ihr reiht euch brav in die lange Schlange der Resolutionäre von den Kollegen bei Hoesch über die HoKiDo-Eltern bis hin zum Anti-Rotstift-Tribunal. Die hiesigen Sozialtechnokraten (und ihre Kollegen von liberalem Geiste und aus den Gruppen) sind allen Resolutionen zum Trotz über die Leichen von wischlingen, Kinderkliniken, Bl-Bäumen, Hoesch, usw. gegangen. Sie werden ihren Weg fortsetzen. Ich hoffe, ihr macht euch keine Illusionen.
Peter

 

Ausgabe #66
November 1982
32 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 4
Wortanzahl: 599

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