Das Wort zum Sonntag oder was wir alles müssen

 

...Dass unsere Sprüche zu Leben und Aktionen werden
Der Heidehof ist kaputt, wir haben es nicht geschafft, seine erhaltung durchzusetzen, wir haben in diesem Punkt verloren. Von dieser niederlage sind nicht nur wir bewohner betroffen, auch wenn wir am konkretesten damit konfrontiert sind. 30 menschen sind obdachlos geworden, wir hatten ein leben in einer gemeinschaft begonnen,das wir nicht aufgeben wollen, und es bleibt noch jede menge rödelei, bis wir wieder alles im griff haben. Auch diejenigen von euch sind geschockt von dem abriss, für die der Heidehof mehr war, als nur ein besetztes haus im Süden dortmunds, die durch unterstützungsarbeit, veranstaltungen , kurse und cafe Knall sich ein stück identifiziert haben mit AUCH IHREM Heidehof.
Doch was mir selber wieder auftrieb gegeben hat, am wochenende nach der räumung, waren erlebnisse mit "normalen bürgern", die vor den trümmern standen. Unserem nachbarn , der schon während der besetzung zum IGM-feind geworden ist, und der angst hat, daß hier betonklötze hinkommen, standen die tränen in den augen, er lief fassungslos und erregt hin und her. Ein anderer, der nur zufällig vorheíkam und vor jahren einmal im Heidehof gearbeitet hat, fing richtig an zu heulen, als er das alles sah. vielleicht ist dies ein bißchen genugtuung und auch zeichen dafür, daß wir etwas erreicht haben.Wir haben trotz des abrísses letztendlich auch gwonnen.

Wir sind immer wieder mit schlägen klargekommen, die von aussen auf uns zukamen, wie Heidekrug-abríss,brandanschlag, strom und wasserklau, haben der zerstörung von innen, wie es die IGM wohl hoffte , keine chance gegeben und stattdessen gelernt , auch mit uns besser klarzukommen und trotz unterschiedlichster vergangenheiten an einem stríck zu ziehen. In Dortmund hat sich in der unterstützung unseres kampfes ein breites bündnis von menschen zusammengefunden , die in den vergangenen jahren sich oft eher gegenseitig bekämpft haben, als dem eigentlichen gemeinsamen feind aktiv entgegenzutreten, Daraus sollten wir lernen und auch weitermachen. Worte wie solidarität, toleranz anderen widerstandsformen dürfen nicht zu leerformeln werden, sondern wir müssen auch in anderen bereichen danach handeln. Weil die IGM und die Stadt letztendlích haben niederlagerı eingestehen müssen und zwar in sofern, daß ihre argumente nicht mehr ausreíchen uns kleinzukriegen und sie stattdessen gezwungen waren, ihre gewalt für jeden sichtbar einzusetzen Viele werden den charakter der gewerkschaft. IGM erkannt haben, wie kalt sie entscheidet und ihre beschlüsse durchzieht und in namen der SOLIDARITÄT DER MÄCHTIGEN hat auch die SPD in person von herrn Zeitler zugeben müssen, auf wessen seite sie steht, und daß alles andere,wie dialogbereitschaft, geheuchelte solidarität... nur faules gelaber ist. Und letztendlich haben wir es geschafft, 8 monate lang eine alternative zum leben in vorgeschriebenen bahnen vorgelebt zu haben.

Nach dieser etappe unseres kampfes für eigene lebensräume und möglichkeiten müssen wir uns, wie auch sonst immer wieder unsere lage klarmachen, welchen part wir in und für diesen staat spielen. (Ähhemm'?! die típperin und der diktíertor). Wir müssen uns bewusst machen, daß der staat in allen seinen ausformungen immer bemüht sein wird, anderes leben zu verhindern, bzw. es in die nischen zu drücken, wo wir uns heute meist aufhalten . Wenn wir aktiv und nach aussen emanzipatorische und freiere reformen von leben und arbeiten vormachen wird er auf dauer auch schwierigkeiten haben, den übrigen klarzumachen, warum es notwendig sein soll, seinen festen platz in der gesellschaftlichen machtordnung einzunehmen. Hoffen wir es. Bis dahin wird es aber noch etwas zeit dauern, in der wir noch viel lernen müssen. (Nicht für den autor, für das leben tippen wir!!! die tipperin) wir müssen uns mit der geschichte des kampfes für freieres leben auseinandersetzen- nur so können wir schon einmal gemachte erfahrungen nützen und es besser machen. wir müssen uns klarer darüber werden, (Ich will nicht so wie Klara werden!! die tipperin) wie das aussehen soll was wir aufbauen wollen- dazu s ind auch theoretische auseinandersetzungen notwendig. Und schließlich müssen wir auch uns und unsere leitideen, die wir immer wieder vertreten, ernstnehmen (Ich weiß nicht was soll es bedeuten'?'?!! Heine und die tipperin) und im täglichen leben umsetzten. Was bedeuten worte wie kollektives handeln, selbstbestimmung, überschaubarkeit, ökologisches bewußtsein, lust und kreativität, sand-im-getriebe-der-welt-sein eigentlich?
Doch es muß weitergehen! (Was bedeutense denn?? Wo laufen se denn?? tipperin und diktiertor) Gerade auch unsere erfahrungen im Heidehof sollten uns dazu bringen, realisten zu bleiben, wenn wir unsere eigenen fähigkeiten einschätzen. Die idee eines alternativen betriebes reicht noch nicht aus, ihn auch aufzubauen. Da fehlen noch praktische erfahrungen, fachvıissen und die bereitschaft, auch härter zu arbeiten als anderswo. Und vieles was wir gemacht haben, entstand nicht einfach so- spontan- , sondern dazu war planung, verbindlichkeit und verantwortlichkeit einzelner notwendig.

Doch wir müssen auch utopisten bleiben, davon träumen was wir machen wollen, denn sonst hätten wir nicht die kraft zum kämpfen. Wir müssen uns dabei nur bewußt machen, daß unsere hoffnungen (das klammern an strohhalme) oft íllusionen sind, aber diese gefahr müssen wir eingehen, wenn wir nicht von vorneherein aufgeben wollen. (Utopische realisten oder realistische utopisten, oder was denn nun?? der Composer) Uns muß auch klar sein, daß es sein kann, daß wir einen schlag nach dem anderen, letztendlich immer wieder niederlagen werden einstecken müssen, aber nichtssdestotrotz oder gerade deshalb müssen wir weitermachen und unsere siege aus dem kampf ziehen, aus dem konkreten leben unserer träume, auch wenn es nur für kurze zeit ist. (??!!&&%“=;/:?? die tipperin) Wie sonst kommen wir unseren träumen näher, wenn wir sie nicht ausprobieren. Alternativ leben heißt aber auch, sein täglichen leben auch etwas danach zu richten, beim menschlichen miteinander-umgehen, wenn solidarität notwendig ist, beim einkaufen (?), beim sich einrichten mit (?) dem system. Mit sprüchen und räumungsdemos werden wir nichts verändern - auch uns nicht.
Ka. für die Heidehof-Gemeinschaft

 

 

 

Ausgabe #66
November 1982
32 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 8 bis Seite 9
Wortanzahl: 1149

Hashtags
#Hausbesetzung #Heidehof

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