Freiheit für alle, oder: Freiheit für Kalle?

Unter den stadtbekannten parolenhändlern wird 'Freiheit für alle' weiterhin hoch gehandelt, jedoch kommt es ab und an zu diskussionen, die in der regel bei themen wie Rudolf Hess oder anderen faschisten enden. Tenor solcher statements: man kann faschisten gar nicht hart genug bestrafen. Nun ist es sicher nicht unsere aufgabe, dem staat Vorschriften zu machen, wie er mit noch weiter rechts stehenden umgehen soll. Für einen staat, der uns in allen bereichen kriminalisiert, statt unsere vorschläge (energie, wohnen etc) ernstzunehmen, sollten wir nicht die rolle des knastverteidigers übernehmen. Andererseits kann man zwar evtl. bei alt- und neonazis den staat machen lassen, was er will, aber bei vergewaltigern wird es doch problematisch. Die leute sollen aus dem verkehr gezogen werden. Sind wir da gegen knast? Ist etwa zippzapp, schwanz ab eine alternative? In dieser unfreien gesellschaft haben wir keine macht, andere zu verurteilen. Unsere beurteilungen von 'straftaten' interessieren letztendlich kaum einen. Aber mit der parole 'freiheit für alle gefangenen' lösen wir unsere widersprüche zum 'rechtsstaat' auch nicht.

 

Eine ganz andere frage ist unsere forderung 'freiheit für alle, auch für uns' wie könnten wir in einer freien gesellschaft mit leuten umgehen, deren taten im hier und jetzt straftaten sind? Haben wir bessere vorschläge als knast? Wer?

 

"Früher ham wir auch mal zuhälter vermöbelt und zwar organisiert . . . "

 

Eine meinung in unserer diskussion war, daß wir – all die leute, die wir für uns beanspruchen, den autonomen kampf zu führen - uns auch in dieser frage mehr autonomie in kopf und faust zu verschaffen. Will heißen: mal eigenständig maßnahmen gegen oben-genannte typen (vergewaltiger, faschisten . . .) zu ergreifen. Sie gerne im knast zu sehen (- auch den knast für sie zu fordern), hieße doch letztendlich, sich auf den staat einzulassen. Klar dabei ist allerdings, daß unsere bewegung zu solchen schritten noch viel zu schwach ist. Da jedoch diese klamotte, wie so viele, ihre zwei seiten hat, könnten wir vielleicht im kleinen beginnen, um eines tages . . .

 

Die gegenposition im klüngel war ein ABER HALLO: "Das ist der anfang von selbst- und lynchjustiz" Der weisheit letzter schluß könnte darin bestehen, all diese meinungen – wenn schon nicht allumfassend hier & jetzt - so doch für die zukünftig erwartete freie gesellschaft schon mal im kopf klar zu kriegen.

 

Ausgabe #56
Dezember 1981
30 Seiten
Dieser Artikel ist auf Seite 12
Wortanzahl: 479

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#Autonome #Knast

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